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Meißner Schweinereien

Die Lommatzscher Pflege nordwestlich der Stadt war mit ihren hervorragenden Lößböden schon ackerbauliches Gebiet, als dort im 8. Jahrhundert noch die Daleminzier lebten. Später wurde sie zur Kornkammer Sachsens und so wundert es auch nicht, dass hier der Ursprung einer ganz besonderen Schweinerasse liegt.

Man kann es sich heute vielleicht nicht vorstellen, aber bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts glichen Hausschweine noch sehr ihren wilden Verwandten. Als in dieser Zeit die Nachfrage nach Schweinefleisch stieg, begannen Meißner Landwirte, ihre Tiere mit englischen Rassen zu kreuzen, um sie frühreifer und mit sehr viel mehr fleischernem Ertrag zu züchten. In den 1880er Jahren erhielt diese Sorte den heute sicher nicht mehr durchsetzbaren Namen „Meißner Gebrauchsschwein“, viele Preise und wurde eine der Ausgangsrassen des sogenannten veredelten Landschweins. Um spätestens 1930 verdrängte dieses seinen Meißner Kollegen und schließlich blieb nur noch der Nossener Landwirt Rolf Merzdorf übrig, bei dem es – allerdings nicht mehr sortenrein – auch die an ihm nicht interessierte DDR überlebte.

Nach der Wende versuchten Züchter der Lommatzscher Pflege, das Meißner Schwein wieder rückzuzüchten. Es ist ein ausgesprochen hübsches Tier mit seinem langen, tonnenförmigen Rumpf, den Schlappohren und der weißen Behaarung, und auf dem Regionalmarkt sehr beliebt. Dresdner übrigens können sich nach ihm im Schillergarten erkundigen.