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Ein äffischer Musikantenstadl
Johann Joachim Kändlers imposantestes Unternehmen war wohl die Herstellung des Schwanenservices für den Grafen Brühl, bestand es doch aus nahezu 2.000 Teilen und veränderte den Charakter des europäischen Porzellans: neben die Malerei traten plastische Verzierungen und Figuren, als Tischdekoration und oft auch in Tierform. Wen wundert es, dass Kändlers Affenkapelle, die er 1753 schuf, zu einem wahren Verkaufshit wurde.
Affen als parodistisches Sujet gab es schon sehr viel früher, bereits im 16. Jahrhundert konnte man sie auf flämischen Gemälden bewundern. Zur Hochform lief die Singerie (von französisch singe = Affe) aber mit dem Exotismus des Rokoko auf. Nun findet man die amüsanten Tierchen überall, auf Wänden und Decken in Salon und Boudoir, aber auch auf Porzellan, Textilien und Möbeln treiben sie ihren Unfug und halten den Menschen einen satirischen Spiegel vor. Besonders bekannt wird der französische Tiermaler Christophe Huet, der nicht nur einige Pariser Häuser, sondern auch einen Salon für Madame de Pompadour dekorierte. Nach Stichen seiner Gemälde modellierte Kändler die erste Kapelle und die entzückte Marquise erwarb ein Exemplar noch im selben Jahr.
Die fröhlichen Figuren in Allongeperücken und Kavalierskostümen, zierlich bemalt und ihre Instrumente schwingend, begeistern immer noch so sehr, dass 2018 alle einundzwanzig Mitglieder der Affenkapelle aus einem Meißner Antiquitätengeschäft gestohlen wurden.