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Blumen machen Politik

Mit dem fünfzackigen Sowjetstern aus Geranien im Innenhof von Schloß Cecilienhof wollte Stalin wohl seine Verhandlungspartner ärgern, denn täglich mußten Churchill und Truman den Hof des Schlosses überqueren und an dem Stern vorbei. Stalin war vom 17. Juli bis 2. August 1945 Ausrichter der „Potsdamer Konferenz“, welche die politischen Nachkriegsverhältnisse regelte.
Als Bedeutungsträger ist das Pentagramm, so die politisch neutrale Bezeichnung des Sowjetsterns, sehr alt. Doch ab 1923 gelbumrandet auf der Fahne der Sowjetunion, soll es hier den Weg der Menschheit zum Weltkommunismus beleuchten. Als Symbol der weltumfassenden Arbeiterbewegung umgedeutet, stehen die Zacken des Sterns für alle fünf Kontinente.

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Von Ost nach West

Vorauseilenden Zynismus kann man den Ost-Funktionären unterstellen, als sie die Glienicker Brücke nach ihrer provisorischen Instandsetzung 1949 in „Brücke der Einheit“ umbenannten. Ein weißer Grenzstrich in der Brückenmitte trennte von nun an DDR und Westberlin. Der Austausch von Agenten zwischen Ost und West verhalf dem Bauwerk zum englischen Spitznamen „Bridge of Spies“ (Brücke der Spione) und zum gleichnamigen Spielfilm von Steven Spielberg.

Doch einen Schlagbaum hatte die Glienicker Brücke schon weit vor dem Kalten Krieg seit Ende des 18. Jahrhunderts gesehen. Er diente dazu, Kutscher davon abzuhalten, die Brücke ohne Kontrolle zu passieren. Später mußten die Passanten sogar eine Brückengebühr, ein sogenanntes Chausseegeld zur Finanzierung von Bauarbeiten zahlen.

Wer genau hinsieht: die Westberliner Brückenhälfte ist in einem helleren Blau als die Potsdamer Seite gestrichen, selbst die Farbrezepturen von Ost und West paßten nicht zueinander.

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Gebrüll auf der Pfaueninsel

„Eine Fahrt nach der Pfaueninsel galt den Berlinern als das schönste Familienfest des Jahres, und die Jugend fühlte sich überaus glücklich, die munteren Sprünge der Affen, die drollige Plumpheit der Bären, das seltsame Hüpfen der Känguruhs hier zu sehen … Man träumte, in Indien zu sein, und sah mit einer Mischung von Lust und Grauen die südliche Tierwelt: Alligatoren und Schlangen, ja das wunderbare Chamäleon …“ (August Kopisch)

1836 schenkte der König von Schweden seinem Gastgeber König Friedrich Willhelm III. als einem Liebhaber exotischer Tiere eine Gruppe Rentiere in Begleitung zweier Lappländer. Das Dampfschiff Henriette wiederum brachte einen Löwen, zwei Ameisenbären und zwei Affen aus dem Hamburger Hafen auf die Pfaueninsel. Zeitweise lebten hier Lamas, Affen, Löwen und Kängurus, Büffel, Biber und Hirsche und selbst Bären hielt man in einer Bärengrube. 1832 war der Bestand des realen Bestiariums auf 847 Tiere angewachsen und der Gartenarchitekt Joseph Lenné arrangierte dafür die passende Umgebung. Der Thronfolger Friedrich Wilhelm IV. hatte seinerseits nicht viel übrig für wilde Tierparaden. Er verschenkte die Tiere samt einiger Gebäude und Einrichtungen an die 1842 neu gegründete Zoologische Gesellschaft Berlin, in dem nun die Tiere von der ganzen Bevölkerung im ersten deutschen Zoo, dem 1844 gegründeten Zoologischen Garten Berlin, bestaunt werden konnten.

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Gastgeschenk

Im Neuen Garten krönt eine goldene Ananas die Spitze des Chinesischen Sonnenschirms. 1787 soll sie der Schlosser Krüger vom „Blech, grün staffiert mit vergoldeten Ketten, Perlen und Quasten“ angefertigt haben. Der Exotismus im 19. Jahrhundert nahm es mit der Geografie nicht so genau, denn die Ananas stammt nicht aus Asien – Columbus erhielt sie im Jahre 1493 auf Guadeloupe in Südamerika als Willkommensgeschenk von den Eingeborenen.
Abgeschaut hat sich diese Art Gastgeschenk Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Er überreichte den Damen seines Herzens anstelle von Blumen ebenfalls eine Ananas. Der Gartenarchitekt und Schöpfer des Babelsberger Parks versuchte sogar, die exotische Frucht im eigenen Garten in Bad Muskau zu kultivieren, was allerdings nicht glückte. Auch auf Gartenfesten erfreute sich die Ananas großer Beliebtheit – Lampen aus farbigem Glas in Ananasform illuminierten Gartenfeste in Paretz und wohl auch auf der Pfaueninsel. Hier findet man einige dieser Ananas-Lampen in der Meyerei auf der Insel.