24-heute

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… die Seele in den Himmel springt.

Wie praktisch das doch wäre: sechs Dukaten bei lotterhaftem Eheleben, ganze acht bei Mord … und die Seele hüpft trotz aller Verfehlung gen Himmelspforte.
Heute erinnert das Tetzelhaus an den in Pirna geborenen Gegenspieler Martin Luthers, den Fuhrunternehmersohn und schlitzohrigen Dominikanermönch Johannes Tetzel. Als dieser mit seinen Ablaßversprechungen die Pfarrkinder Luthers von Wittenberg nach Jüterbog lockte, gab das dem Reformator Anstoß für die berühmten 95 Thesen an der Schloßkirche in Wittenberg.
Martin Luther steht heute am Portal der Pirnaer Marienkirche. Die Gewölbefelder im Inneren der Kirche sollen auf Illustrationen der von Luther erstmals übersetzten Bilderbibel zurückgehen. Wandmalereien aus der Entstehungszeit der Pirnaer Marienkirche, die den Ablasshandel Tetzels verspotteten, wurden bei der Renovierung 1708 beseitigt und sind nicht erhalten. Grandioser Höhepunkt spätgotischer Gewölbekunst ist das Netz-, Stern- und Fischblasengewölbe mit den Schlingrippen und Schleifen. Auf dem Kanzelkorb von 1520 hält Maria das Jesuskind auf ihrem Arm.

Frohe Weihnachten!

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„Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch was er in sich sieht“

Dieser Satz von Caspar David Friedrich ging in die Kunstgeschichte ein. Die Künstler der Romantik finden beim Durchwandern der Sächsichen Schweiz tatsächlich ihre idealen Landschaften in der Wirklichkeit. In den bizarren Formen der Felsformationen liegen beide Aspekte eng beieinander. Voller Allegorien sind denn auch ihre Zeichnungen und Gemälde: Ruinen für die Rückbesinnung auf das Altertum, der Fluß als Strom des Lebens, Felsentore zum Durchqueren ins andere Dasein, Abgründe …
1813 suchte Caspar David Friedrich aus Abscheu und Verzweiflung über das Elend der Befreiungskriege monatelang Zuflucht in Krippen. Ganz in der Nähe, gegenüber dem Zirkelstein, entstanden die ersten Skizzen für eines seiner bekanntesten Werke, den „Wanderer über dem Nebelmeer“.

 

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Nächtliches Rascheln

Auch wenn sich die kleinen Tierchen nachts über Schokolade, Käse oder andere Köstlichkeiten der in den Boofen kampierenden Kletterer hermachen – die Wanderer und Bergsteiger haben die Bilche lieb gewonnen. Sie sind das Maskottchen des Nationalparkzentrums.
Die scheuen, nachtaktiven Nagetiere verschlafen das Winterhalbjahr und sind nur in der wärmeren Jahreszeit aktiv, weshalb man sie auch Schlafmäuse nennt, obwohl sie mit Mäusen gar nichts zu tun haben. In den Sommermonaten fressen sie sich einen Winterspeck an und erhalten so eine recht kugelige Körperform. Die Bilche stellen mit ihrer Verbreitung in der Sächsischen Schweiz eine zoologische Besonderheit dar. Hier ansässig sind die Bilchen-Arten Siebenschläfer, Gartenschläfer und Haselmaus. Insbesondere für den Gartenschläfer, als typischen Fels- und Höhlenbewohner, ist der geschützte Fels- und Waldnationalpark der ideale Lebensraum.

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Singender Held

Jedes Jahr singt der „Bergsteigerchor Kurt Schlosser“ auf dem Festplatz in Kleinhennersdorf zur Wintersonnenwende. Ja, es gibt ihn noch, den bereits 1927 gegründeten Chor, der seit 1949 diesen Namen trägt. Neben seiner Arbeit als Tischler, war Kurt Schlosser Leiter der „Gesangsabteilung der Vereinigten Kletterabteilung“, aus der sich später der „Sächsische Bergsteigerchor“ formierte. Während der Nazizeit im illegalen Widerstand, schloß er sich zur Ablenkung der braunen Häscher 1937 dem „Deutsch-Österreichischen Alpenverein“ an und baute oberhalb des Zahnsgrundes in der Sächsischen Schweiz eine Berghütte, die bis 1995 seinen Namen trug. 1944 wurde er wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und in Dresden hingerichtet. Ein Stolperstein erinnert vor seiner Tischlerwerkstatt in der Leipziger Straße 72 an den mutigen Sänger.

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Warten auf den Frühling

Das Polenztal ist nicht nur ein wildromantisches Flusstal, hier befindet sich auf rund 130.000 Quadratmetern eines der größten Biotope wild wachsender Märzenbecher. 1821 erstmals erwähnt, entwickelte sich das blühende Naturschauspiel um 1900 zur Touristenattraktion. Der Landesverein Sächsischer Heimatschutz kaufte von 1990 bis 1993 fast alle Märzenbecherwiesen und kümmert sich seitdem um deren Pflege und Erhalt. Einmal im Jahr, wenn die Samen reif und ausgefallen sind, müssen die Wiesen mit einer historischen, also nicht zu schweren, Maschine gemäht werden. Die Märzenbecher brauchen einen feuchten Boden, deshalb wurde begonnen, die traditionellen Wassergräben der Bauern wieder herzurichten.
Wer die Blütezeit nicht verpassen will, kann das Online-Märzenbechertagebuch der Stadtverwaltung Stolpen konsultieren.

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Kaufen, kaufen!

„Alles echt … nur zwölf Euro“, preist eine Verkäuferin eine „Original-Marken-Uhr“ an. Überwiegend vietnamesische Händler bieten in Hrensko alles feil, was das deutsche Herz begehrt, Gartenzwerge und Gipsfiguren inbegriffen. Seit gut 25 Jahren besitzen die Märkte entlang der Grenze nahezu magische Anziehungskraft auf die Kundschaft aus Deutschland. Dass das Adidas-Shirt nach kurzer Zeit seine Farbe verliert, egal! Zuletzt förderten Kontrollen auf den Märkten in Petrovice und Hrensko gefälschte Markenware im Wert von knapp 100 000 Euro zu Tage.

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Hokuspokus

Vom Elbtal aus kann man an der Außenmauer der Festung Königstein das kleine gelbe Lustschlösschen Augusts des Starken sehen. Als Attraktion befindet sich im Inneren des Friedrichsburg genannten Pavillions  – ganz im Geiste des Barock – ein Maschinentisch, den sich August bauen ließ. Auf höchstpersönliche Anweisung des Königs versank der Tisch leer gegessen im Fußboden und stieg danach vor aller Augen reich gedeckt aus dem Erdgeschoss wieder herauf. In der darunter liegenden Küche wurde der Tisch gedeckt und durch ein Hebewerk in den oberen Festraum befördert. 24 Personen hatten an der Tafel Platz.

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Ehre sei Gott

Heute zeugen noch Huschen – eiserne Schlitten, über die die Sandsteinblöcke zu den Elbkänen hinuntergelassen wurden – und die Werkterrassen von den vielen Steinbrüchen in der Gegend.
Jahrhundertelang war der Elbsandstein wichtigstes Baumaterial für Kirchen und Profanbauten im gesamten Elbgebiet. Besonders die Barockzeit war Höhepunkt des Sandsteinabbaus. Die Lage Dresdens machte es möglich, dass auch die Frauenkirche mit Steinen aus direkter Nähe gebaut werden konnte und das Material für ihren Wiederaufbau stammte ebenfalls aus den Steinbrüchen in der Nähe von Pirna. Insgesamt wurden beim Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden 28.000 m3 Sandstein verbaut; eingerechnet sind dabei die über 4000 Quader, die aus dem Originalgebäude vor der Zerstörung 1945 stammten.

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Der kleinste Kletterfelsen der Welt

Sehr ernst gemeint war die Erstbesteigung des 50 Tonnen schweren Sandsteinbrockens nicht, der 2014 auf die Kirnitzschtalstraße stürzte. Einen Tag lang erweiterte der Fels die Berglandschaft des Gebirges um einen weitere Attraktion, dann wurde er mit schwerem Gerät zertrümmert.
Wegen seines kurzen Lebens erhielt er den Namen „Eintagsfliege“. Den 3,70 Meter hohen Felsen bezwangen die Kletterer des Klettervereins Buschmühle in der Nacht auf der schwierigsten Route, die sie „H0-Pico-Kante“ tauften und krönten den Felsen mit einem Gipfelbuch, in das sich jeder Gipfelstürmer eintrug. Dr. -Ing. Rolf Böhm, Zeichner der besten Karten der Sächsischen Schweiz, verewigte noch in derselben Nacht die Kletterwege auf einer Karte.

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Kurioser Vermessungsfehler

Die deutsche Zählung der Stromkilometer der Elbe beginnt offiziell an der sächsisch-böhmischen Grenze an der Gelobtbachmühle bei Schöna am linken Elbufer. Der deutsche Elbkilometer 0 ist dabei gleichzeitig der tschechische Kilometer 105,81. Tschechische und deutsche Kilometrierung überschneiden sich in dem 3,43 km langen Bereich, auf dem die Grenze in der Flussmitte verläuft. Die tschechische Seite läuft auf dem rechten Elbufer bis zum Grenzübergang Schmilka/Hřensko.
Nach 121 deutschen Kilometern kam es im Jahre 1880 zu einem kuriosen Vermessungsfehler: die Königreiche Preußen und Sachsen hatten die Elbvermessung jedes für sich durchgeführt – wohl deshalb war an der damaligen Reichsgrenze plötzlich ein Kilometer zu viel vorhanden. Man behalf sich, in dem man dem Kilometer 121 den Kilometer 121A folgen ließ. Den gibt es bis heute.

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Französischer Besuch

Kaum einen Ort in Deutschland hat Goethe nicht besucht. Die Sächsische Schweiz jedoch scheint der Dichter verschmäht zu haben. Dafür hat ein anderer im Gebirge Spuren hinterlassen auf die man heute noch trifft.
Im Sommer 1813 geriet das Gebiet zwischen Lilien- und Hohnstein in den Blickpunkt der Weltgeschichte. Die Napoleonstraße – oder Kaiserstraße – wurde durch Napoleon als strategisch wichtige Verbindung ausgebaut bzw. teilweise neu angelegt. Die Pappelallee unter dem Lilienstein führt von Hohnstein über den Ziegenrücken, durch Waltersdorf nach Ebenheit, hinab zur Elbquerung von Halbestadt nach Königstein. Vom Lilienstein und vom Königstein ist insbesondere der markante Alleeabschnitt der Straße gut erkennbar.
Nach der Niederlage Napoleons in der Schlacht bei Kulm, nahe Teplice in der Böhmischen Schweiz, verlagerten sich die militärischen Aktivitäten bald in den Leipziger Raum und gipfelten schließlich in der Völkerschlacht; den Anfang von Napoleons Ende.

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Einmal Indianer – immer Indianer

1966 startete mit „Die Söhne der großen Bärin“ der erste DEFA-Western in den DDR-Kinos. „Ein Indianerdorf ist kein Campingplatz“, beschwerte sich Liselotte Welskopf-Henrich, Autorin der Buchvorlage, über eine Filmszene, die im Polenztal gedreht wurde. Auch der sanfte Missouri erregte ihr Mißfallen, von den blauen Augen des Medizinmannes ganz abgesehen. Doch Gojko Mitic, der den Häuptling Tokahito spielte, wurde trotzdem, ebenso wie sein westliches Pendant Pierre Brice, zur Kultfigur. Seine Stunts führte der ehemalige Sportstudent für gewöhnlich selbst durch: tollkühne Akrobatik zu Pferde, Bogenschießen mit brennenden Pfeilen oder intensive Kampfhandlungen am Boden. Jugoslawische Sportstudenten waren damals beliebte Komparsen für Massenszenen der in Jugoslawien gedrehten westdeutschen Karl-May-Verfilmungen. Mitic fiel dort den Regisseuren auf und avancierte später zum „Winnetou des Ostens.

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“Die Bastey ist über die maßen schön, aber erst gült es hinaufzugelangen!” (Adrian Zingg)

Die Sächsische Schweiz ist eines der bestbeschilderten Wandergebiete, so dass es kaum möglich ist, sich zu verlaufen. Doch als man begann, sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts für die Schönheiten der Natur nur um ihrer selbst Willen zu interessieren, mußte man sich noch auf die eigenen Sinne verlassen, wenn es ans Wandern ging.
Es sei denn, man mietete sich Fremdenführer. Diese bangten allerdings um ihre Einnahmequellen, als 1830 für die Reisenden am sogenannten Fremdenweg die ersten steinernen Wegweiser aufgestellt wurden. Wer die Schönheit der Natur zudem noch ohne eigene Anstrengung genießen wollte, mietete sich Sesselträger oder Tragtiere.

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Hopp, hopp, hopp

Der Komponist Richard Wagner ließ sich hier inspirieren und Carl Maria v. Weber nutzte die Teufelsschlucht gleich als Schauplatz für den Freischütz. Doch bereits im 18. Jahrhundert komponierte der in Schandau im Jahre 1766 geborene Carl Gottlieb Hering hier Gassenhauer für Kinder. Der Lehrer, Organist und Komponist gab Kinderreimen wie „Hopp, hopp, hopp, Pferdchen, lauf Galopp“ und „Morgen, Kinder, wird‘s was geben“ sowie dem Kaffee-Kanon „C-a-f-f-e-e, trink nicht so viel Kaffee!“ ihre bis heute gültigen Melodien. Eine Gedenktafel am Haus Poststraße 3 in Bad Schandau erinnert an den Musiker.
Dieses Schaukelpferd wohnt im Heimatmuseum in Hinterhermsdorf. Nahe des Museums liegt auch die Dorfkirche. Die Engel im Kircheninneren verhalfen der Kirche zu ihrem Namen – Engelkirche – und zieren die rechte Seite des Kalenders.

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Himmelfahrt

Manche hielten das Gefährt für einen Drachen. Ein Bauer soll ausgerufen haben: „Oh Gott, ihr Leute, fallt nieder. Jetzt kommt unser himmlischer Vater.“ Doch was da am Himmel auftauchte war keine außerirdische Erscheinung, sondern die Luftfahrtpionierin Wilhelmine Reichard. Schon oft war sie in einem Heißluftballon unterwegs, doch 1812 kam sie vom Kurs ab, das Fluggerät stieg in eine Höhe von 7800 m und zerriß. Die Gondel landete schließlich mit der bewußtlos gewordenen Frau in einer Fichte am Wachberg in der Sächsischen Schweiz.
5 Jahre später schwebte sie erneut – als Attraktion über dem zehnten Münchner Oktoberfest.

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09

Der verschenkte Lilienstein

Einst saßen auf dem Königstein
Gemütlich bei der Flasche Wein
Der Kurfürst und der Preußenkönig
Und plauderten dabei ein wenig.
Der König sprach: „Bei meiner Ehr‘,
Der Königstein gefällt mir sehr“.
Worauf der Kurfürst zu ihm Spricht:
„Sieh! Solch Berge hast Du nicht,
In Deinem großen Preußenlande
Sitzt man oft auf dem trocknen Sande.
Drum will ich Dir zum Angedenken
Den Lilienstein da drüben schenken.“

„Mein Bruderherz ich danke Dir,
Nun bau ich eine Festung mir
In Deinem schönen Sachsenland,
Die wird der Friedrichstein genannt,
Der König sprach’s mit frohem Sinn
Und reiste wieder nach Berlin.
In beiden Händen den Kopf gestützt,
Der Kurfürst früh bei Tische sitzt;
Teilnehmend frug der Kyau gleich:
„Mein Fürst und Herr, was fehlet Euch?“

„Ach lieber Kyau, vor’ge Nacht
Hab‘ ich’n dummen Streich gemacht.
Geschenkt hab ich beim Glase Wein
Dem König unser’n Lilienstein.
Der baut eine Veste nächstes Jahr
Mein Königstein kommt in Gefahr,
Die ganze Geschichte wird noch dumm,
Das geht mir jetzt io´m Kopf herum,“
Da lacht der Kyau laut und spricht:
„Mein gnäd’ger Herr, da sorget nicht,
Schlagt Euch die Grillen aus dem Sinn
Und schickt mich schleunigst nach Berlin.

Der Kyau wurde ohne Weile
Gesendet nach Berlin in Eile,
Tritt vor des Königs Angesicht
Und feierlich er also spricht:
„Ew. Majestät woll’n verzeih’n!
Der Euch geschenkte Lilienstein
Ist uns im Wege jetzt gar sehr,
Den Platz gebrauchen wir nunmehr
Zum Abbruch steht er Euch bereit,
Wir geben nur vier Wochen Zeit.“

Da muß der König herzlich lachen,
Spricht: „So schnell läßt sich das nicht machen.
Wohl würden sich die Meinen freu’n,
Käm‘ nach Berlin der Lilienstein;
Das gäbe eine große Freude,
Stellt ich ihn in die Hasenheide.
Doch lieber Kyau, Ihr könnt gehen,
Ich laß den schweren Felsen stehn,
Sagt Euren Fürst, es bleibt beim Alten,
Er soll den Lilienstein behalten.“

So blieb der Berg an seinem Ort
Und steht noch heut’gen Tages dort.
Ein Wirtshaus ist auch oben drauf,
Wer es nicht glaubt – steig selbst hinauf.

Mit seinen beiden eingemeißelten Schwertern und dem Symbol Augusts des Starken erinnert ein Obelisk auf dem Lilienstein an die Besteigung durch den König im Jahr 1708.

 

08

8

Besuch beim Geologen

Eine Wanderung auf die Bergspitze oder mit einer Seilschaft die Felswände hoch – nicht nur kräftemäßig, auch geologisch etwas völlig anderes.
Die schroff in der Landschaft aufragenden Felsen geben dem kleinen Gebirge Charakter und Namen. Etwa 100 Millionen Jahre ist es her, dass sich dieser Sandstein in der Kreidezeit im Kreidemeer abgelagert hat.
Die Berge dagegen mit ihren abgerundeten Kuppen bestehen aus balsaltischem Gestein der Tertiärzeit vor 60 bis 20 Millionen Jahren. Als Fernwirkung der Alpenhebung wurde das Erzgebirge als Pultscholle angehoben und südlich davon der Egertalgraben gebildet. Dort gab es einen intensiven Vulkanismus, der sich auch im nahe gelegen Elbsandsteingebirge an Schwächezonen bemerkbar machte.

 

07

7

Spielklassiker aus der Antike

Eine Wanderung durch die Wolfsschlucht führt auf den Hockstein mit seiner imposanten Aussicht. Hier stand im Mittelalter eine Burganlage, deren Besatzung  sich die Zeit wohl auch beim Mühlespiel vertrieb. Das Spielbrett kratzten sie direkt in den Fels, noch heute sind die Linien im Stein zu sehen.
Wann das Mühlespiel nach Europa kam, ist nicht bekannt. Der älteste Mühlespielplan wurde auf einer Dachplatte des Tempels im ägyptischen Kurna entdeckt, er ist etwa 3400 Jahre alt. Später ritzten die Römer das Spiel in die Steinböden öffentlicher Plätze und auch die Aachener Pfalzkapelle kannte das Spiel; dort kann man es auf den aus Jerusalem stammenden Marmorplatten vor dem Thron Karls des Großen finden.

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6

Tri tra trallala

Im kleinen Puppentheatermuseum in Hohnstein hat sich der Teufel das Pausenschild um den Hals gehängt. Soll er; der Hohnsteiner Kasper und seine Freunde füllten den Saal der Hohnsteiner Burg ab 1928 trotzdem unermüdlich Abend für Abend. Nicht mit Prügel und Bratpfanne sondern mit feinem Witz. Das unterschied ihn vom damals typischen „Jahrmarktskasper“, einem derben Gesellen mit teils unflätigem Benehmen.
Als einzige deutsche Handpuppenbühne erhielten Max Jacob und seine Frau Marie mit der ganzen Hohnsteiner Kasperfamilie 1937 eine Einladung zur Weltausstellung nach Paris. Für den „Freischütz“ gewannen sie dort die Goldmedaille für das beste Handpuppenspiel. Applaus!

 

05

5

Hollywood mit Aussicht

Dank gekonnter Schnitttechnik führt im Oscar gekrönten Film „Grand Budapest Hotel“ ein freistehender Aufzug direkt in die Hotellobby. In Wirklichkeit landet man jedoch mit dem Aufzug auf der Ostrauer Scheibe und kann von dort – wie im Film – eine grandiose Aussicht genießen.
Fast wäre die Attraktion des Fahrstuhls noch spektakulärer ausgefallen, denn der Hotelier Rudolph Sendig ließ auf der Ostrauer Scheibe nicht nur seine „lieblichen Landhäuser“, die Fertigteilhäuser der Osterwiecker Firma Witt, errichten, sondern plante auch einen Weltsportplatz samt Luftschiffhafen. Das Vorhaben scheiterte dann am Ersten Weltkrieg.
Besonders dekorativ ist das Jugendstilgeländer des 50 Meter hohen elektrischen Aufzuges.

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Durchs wilde Kirnitzschtal

„Die Fahrzeit von Schandau nach dem Wasserfall soll 32 Minuten betragen; die Fahrt dauerte aber etwas länger, da einige Entgleisungen vorkamen, die aber mit gutem Humor ertragen wurden“, so die Zeitung des Gebirgsvereins im Jahre 1898 über die Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Bad Schandau zum Lichtenhainer Wasserfall, quer durch das Kirnitzschtal. Bis zur sächsisch-böhmischen Grenze sollte die Strecke führen. Realisiert wurde das Vorhaben wegen Geldknappheit jedoch nie. Ein Erfolg war und ist die Bahn trotzdem. So wurden bereits im Eröffnungsjahr 80000 Passagiere durch das romantische Tal transportiert.

 

03

3

„Du sonniges Wehlen, du Perle der Schweiz …“

Die Einwohner von Wehlen lebten vom Handwerk, der Steinbrucharbeit und von der Elbschifferei. Daran erinnert noch heute das Stadtwappen mit seinem rah getakelten Segelschiff auf Wellen. Am Torbogen des ehemaligen Ratskellers findet man das Wappen neben einem Wehlen preisenden Vierzeiler. Geht man durch den Torbogen in die „Perle der Schweiz“, kann man gleich linker Hand das wohl älteste Haus der Stadt bewundern.

02

2

Leere Kassen

Es hätte schlecht für den ehemaligen Apothekerlehrling Böttger ausgehen können. Mit vermeintlich alchemistischen Taschenspielertricks gelang es ihm zwar, August den Starken zu täuschen, das versprochene Gold jedoch zauberte er nicht herbei. Um die Flucht Böttgers zu verhindern, setzte ihn August mehrfach auf der Festung Königstein fest. Zu Hilfe kam ihm in dieser fatalen Lage Walther von Tschirnhaus; der Universalgelehrte am Hofe August des Starken lenkte das Augenmerk des ewig geldknappen Königs vom Gold auf das Porzellan, denn Tschirnhaus erforschte schon lange, wie man das Weiße Gold der Chinesen selbst produzieren könnte. Er ließ eigens für das Erzeugen der notwendig hohen Brenntemperaturen Brennspiegel bauen, wobei er die Bergleute der Bergakademie Freiberg zu Rate zog.
Heute kennt man Böttger als Erfinder des europäischen Porzellans, doch die Porzellanrezeptur selbst war zu großen Teilen auch Verdienst des Walther von Tschirnhaus.

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Halali

Dem Rothirsch oder Wildschwein begegnet man heute noch in den Wäldern der Sächsischen Schweiz. Wisent, Auerochse und Elch, wurden dagegen schon im Mittelalter ausgerottet.
Bis heute deponieren die Förster in den Wäldern Salz für das Rot- und Rehwild. Das lebenswichtige Mineral wird meist in Form von Salzsteinen auf einen Pfahl gesteckt. Aus der Zeit der kurfürstlichen Jagden findet man noch historische Salzlecken, behauene Steine mit Vertiefungen für ein Salz-Lehmgemisch. Die historischen Steine tragen manchmal eingemeißelte Kurschwerter oder Jahreszahlen.