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Subkulturelle Melancholien
Es gab eine Zeit, da stand er für das Berghain und das Berghain stand für die weltweit gehypte Berliner Clubszene. Aber wie immer war es nicht so einfach.
Sven Marquardt, ganz echt aus Ostberlin, gehörte in den 1980er Jahren zur Punk-Szene, machte eine Ausbildung als Fotograf bei der DEFA und kam durch seine Zusammenarbeit mit dem Sohn der bekannten Fotografin Helga Paris zur Modefotografie und zur Zeitschrift „Sibylle“. Schon hier kreuzten sich zwei unterschiedliche Milieus, inszenierte (nicht nur) er diese exklusive DDR-Couture in wilden Locations, Abbruchhäusern, Lost Places und dem, was man heute Industriekultur nennt. Als die Wende kam, hörte er zu fotografieren auf und arbeitete als Türsteher für Techno-Clubs, die überall in Ostberlin aus dem Boden schossen. Eins war das Ostgut, das sich nach verschiedenen Locations Anfang der 2000er als Berghain im Heizkraftwerk Friedrichshain neu erfand.
Schon davor hatte Marquardt wieder angefangen, mit der Kamera zu arbeiten, zeigte seine melancholischen, sinnlichen Fotografien in Ausstellungen rund um den Globus und hatte eine Fotoklasse an der Ostkreuzschule in Weißensee. Sein striktes „Heute leider nicht“ vor der Clubtür in Friedrichshain kann der Berghain-Besucher allerdings immer noch hören.