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Trutziger Paradiesgarten und lichter Klangraum
Betritt man den Kreuzgang des Klosters Unserer lieben Frau, öffnet er sich mit mehr als 32 Arkaden zum Innenhof. Viele der Säulen, die die Bögen teilen, sind rund, manche vier- oder mehreckig. Wie in einem exotischen Garten tragen sie eine reiche Auswahl verschieden geformter Kapitelle, mit vielerlei Blattwerk, Palmetten und Rosetten geziert, oder das für die Magdeburger Romanik so typische Würfelkapitell. Auf die Spitze getrieben wird diese Manier romanischer Baumeister im anschließenden runden Lavatorium, wo vierfach gebündelte Säulchen auf kompakten Basen ruhen und mit aufwändig gearbeiteten Kapitellen versehen sind.
Als Erzbischof Gero um das Jahr 1017 herum in Magdeburg ein Kollegiatsstift gründete, konnte er nicht ahnen, dass sich auf die nächsten tausend Jahre an diesem Kloster Segnungen und Fährnisse europäischer Sakralkultur erfahren ließen. Trotz vielfältiger Um- und Anbauten und mancher Zerstörung durch Brand und Krieg wurde das zweite Mutterkloster der Prämonstratenser wie ein Wunder durch die Zeit getragen und zum ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt.
Was man heute findet, ist ein Ensemble, in dem sich Romanik und Gotik mit der Moderne vermählen, sind berückende architektonische Details wie das alte Kreuzgratgewölbe oder die neue gefältete Dachhaut aus Baubronze über einem Haus, das mit dem Museum für neue Kunst und einem wunderbaren Klangraum in der Klosterkirche einen exquisiten kulturellen Mittelpunkt Magdeburgs bildet.