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Die Goldminen von Las Médulas
Es gibt viele Gründe, den im Sommer sehr überlaufenen Camino Francés einmal zu verlassen und auf einer alternativen Route zu wandern. Besonders wenn man die Stille sucht und sich an einer Landschaft erfreut, die abwechslungsreich und teils bezaubernd, teils atemberaubend ist. Hier bietet sich der Camino Inverno an. Der Winterweg wird so genannt, weil er den in der kalten Jahreszeit oft schneereichen Abschnitt über das 1.300 Meter hoch gelegene Bergdorf O Cebreiro umgeht und, darauf kommt es uns an, den Wanderer nach Las Médulas führt.
Viele Routen nach Compostela laufen entlang alter Handelsstraßen, diese hier ist besonders, weil in den Hügeln von Las Médulas die älteste Goldmine des Römischen Reiches lag. Die skurrilen Formen der im Licht golden leuchtenden Landschaft sind das Ergebnis einer zweihundertfünfzig Jahre langen Förderung des Edelmetalls, die mit der Eroberung unter Kaiser Augustus im Jahr 25 v. Chr. begann. Wie das geschah, ist durch Plinius den Älteren überliefert. Die Technik heißt „Ruina montium“ und sie zerstört, wie schon der Name sagt, nicht nur das Gestein, sondern trägt peu à peu den Berg ab.
Horizontale Hohlräume in mehreren Ebenen übereinander und vertikale Schächte mussten quer durch die Berge gegraben werden, danach wurde Wasser hindurch geschwemmt. Das gab es in der Sierra de la Cabrera, also wurde auch noch ein über 100 Kilometer langes Kanalsystem gebraucht.
Plinius beschreibt sehr eindringlich, wie die Bergleute monatelang beim Graben keine Sonne sahen, dafür waren sie der ständigen Gefahr ausgesetzt, bei Gesteinseinbrüchen verschüttet zu werden. Erstaunlich, dass die Römer hierzu keine Sklaven, sondern zehntausende freie Arbeiter einsetzten. Angesichts der jährlichen Ausbeute von sechs Tonnen Gold, über 250 Jahre summierte es sich auf 1.635 Tonnen, muss es sich dennoch mehr als gelohnt haben.
Reste von Kanälen, Tunneln und Straßen, die für den Abtransport gebaut wurden, sind immer noch erhalten. Nichts aber ist bestaunenswerter, als die roten Felsen in einer überwältigenden Landschaft.