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Das Café „Sibylle“

Wer auf den Gedanken kam, das 1953 eröffnete Café auf der Stalinallee 72 ausgerechnet Milchtrinkhalle zu taufen, ist nicht überliefert. Ein seltsam gesichtsloser Name für ein Etablissement auf dem neuen Prachtboulevard, aber wenigstens zeigte man einige Jahre später Einsicht. „Sibylle“ hieß der beliebte Treffpunkt nun, nach der innovativen Frauenzeitschrift, die so aufregend gemacht und vom Publikum begehrt war, dass sie schnell den inoffiziellen Titel „Ost-Vogue“ erhielt. Ob sich schon vor der Umbenennung Redakteure, Fotografen und Models in der Milchbar trafen, ist heute nicht mehr wichtig, durch Flair und Geschichte waren Magazin und Café aber verbunden.

Die Wende kam über beide Institutionen gleichermaßen, das „Sibylle“ schloss und auch das Magazin musste nach ein paar noch sehr erfolgreichen Jahren schließlich aufgeben. Einige ihrer bekanntesten Fotografen, wie Sibylle Bergemann und Ute und Werner Mahler, haben 1990 die Bildagentur Ostkreuz mitbegründet. Und auch das Café unter dem markanten gelben Schriftzug ist heute wieder eine etablierte Adresse im Friedrichshain. Neben einer Ausstellung zur Stalinallee bietet es Lesungen und andere kulturelle Veranstaltungen an und auch der einst so beliebte Schweden-Eisbecher ist wieder zu haben.