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Unterwasserwelt

Die vollkommen mit Eichenrinde verkleidete Borkenküche mit einer Eule auf dem Schornstein ist eine weitere Skurrilität im Neuen Garten. Hier wurden die Speisen und Getränke für geheimnisvolle Feste zubereitet, die nebenan in der Muschelgrotte abgehalten wurden. Auf diese trifft man auch eher aus Zufall, was natürlich beabsichtigt war. Denn Muschelgrotten sollten, wie ihre natürlichen Vorbilder, ihren Reiz erst im Innern entfalten. Die Wände dieser Grotte waren mit Spiegeln, farbigem Glas, Steinen und Muscheln kunstvoll dekoriert, der Boden aus Marmor gefertigt. Der Überlieferung zufolge soll der mystisch angehauchte Friedrich Wilhelm II. sie nicht nur als versteckten Rückzugsort erbaut haben. Wohl auch Séancen hat er in der Grotte abgehalten. Aus den Grottenmotiven entwickelte sich seit 1730 die Rocaille (Muschelwerk), ein asymmetrisches, muschelartiges Ornament des Spätbarock. Es gab dem Rokoko seinen Namen und hielt Einzug auf Stuckdekoration, Täfelungen, Möbeln und Porzellan.