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Spiritistische Kühlbox

Wie man allzu Unheimliches mit preußischem Pragmatismus vereint, zeigt ein weiteres exotisches, wenn auch klein dimensioniertes Bauwerk im Neuen Garten. Auf einer, im Verhältnis zum Weltwunder in Giseh winzigen, Pyramide geben okkulte Zeichen und Hieroglyphen Rätsel auf. Sehr wahrscheinlich hatten die Planetensymbole über der Tür wirklich eine astrologisch-alchemistische Bedeutung, denn der Bauherr, Friedrich-Wilhelm II., gehörte mit einem Hang zum Übersinnlichen dem Geheimbund der Rosenkreuzer an. Die Pyramide, zwischen 1791 und 1792 von C. G. Langhans als Eiskeller errichtet, diente jedoch vor allem als königlicher Kühlschrank, in dem Lebensmittel im Sommer frischgehalten werden konnten. Zum Ende eines jeden Winters wurde Eis vom Heiligen See in den Keller geschafft, welches dort, so will es die Legende, zum Herbstende immer noch nicht vollständig geschmolzen sein soll.