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Gebrüll auf der Pfaueninsel

„Eine Fahrt nach der Pfaueninsel galt den Berlinern als das schönste Familienfest des Jahres, und die Jugend fühlte sich überaus glücklich, die munteren Sprünge der Affen, die drollige Plumpheit der Bären, das seltsame Hüpfen der Känguruhs hier zu sehen … Man träumte, in Indien zu sein, und sah mit einer Mischung von Lust und Grauen die südliche Tierwelt: Alligatoren und Schlangen, ja das wunderbare Chamäleon …“ (August Kopisch)

1836 schenkte der König von Schweden seinem Gastgeber König Friedrich Willhelm III., als einem Liebhaber exotischer Tiere, eine Gruppe Rentiere in Begleitung zweier Lappländer. Das Dampfschiff Henriette wiederum brachte einen Löwen, zwei Ameisenbären und zwei Affen aus dem Hamburger Hafen auf die Pfaueninsel. Zeitweise lebten hier Lamas, Affen, Löwen und Kängurus, Büffel, Biber und Hirsche. Selbst Bären hielt man in einer Bärengrube. 1832 war der Bestand des realen Bestiariums auf 847 Tiere angewachsen. Der Gartenarchitekt Joseph Lenné arrangierte dafür die passende Umgebung. Der Thronfolger Friedrich Wilhelm IV. hatte seinerseits wiederum nicht viel übrig für wilde Tierparaden. Er verschenkte die Tiere samt einiger Gebäude und Einrichtungen an die 1842 neu gegründete Zoologische Gesellschaft Berlin. Nun konnten die Tiere von der ganzen Bevölkerung im ersten deutschen Zoo, dem 1844 gegründeten Zoologischen Garten Berlin, bestaunt werden.