22

22

Begabung unterm Mützenschirm

Die berühmteste Schüler- oder Pennälermütze der deutschen Filmgeschichte trug sicher der Schüler Pfeiffer in der „Feuerzangenbowle“. Auf alten Fotos ist sie so allgegenwärtig wie der notorische Matrosenanzug, dabei kam sie erst in den 1870er Jahren auf und wurde schon sechzig Jahre später von den Nazis wieder abgeschafft.

Schülermützen waren Vorschrift an höheren Schulen und lehnten sich in ihrer Gestaltung an die älteren Studentenmützen an. Mit ihr hob sich der Pennäler von Volksschülern und Lehrlingen ab, war aber auch erkennbar im Nachteil, zumal wenn er sitzenblieb. Denn konnte man ihn durch das umlaufende Band der jeweiligen Schule zuordnen, gab die Farbe der Mütze Auskunft über die Klassenstufe: mit jeder Versetzung musste eine neue gekauft werden und die Hutmacher hatten gut zu tun.

Das abgebildete Exemplar trug einst ein Schüler des Meißner St. Afra-Gymnasiums, neben Schulpforta und Grimma eine der drei sächsischen Fürstenschulen, die von Herzog Moritz während der Reformation gegründet wurden. In aufgelösten Klöstern (hier eins der Augustiner Chorherren) ließ der Landesherr Knaben ab dem elften Lebensjahr im Geiste des lutherischen Evangeliums und des Humanismus erziehen, so dass ihm der passende Nachwuchs an Lehrern, Theologen und Beamten nicht ausging. Um die wirklich Besten zu bekommen, wurden begabten, aber mittellosen Jungen sogar Stipendien zugesprochen.
Nach vielerlei Wirrungen durch die Jahrhunderte kehrte mit dem Jahr 2001 auch das St. Afra zu seinem Ursprung zurück: als Sächsisches Landesgymnasium fördert es im Geist der ursprünglichen Fürstenschule hochbegabte Schüler aus Sachsen und ganz Deutschland.