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Schwarze Pädagogik aus der Konditorei
Glaubt man der Legende, wurde mit dem Meißner Fummel ein Albtraum für königlich-sächsische Kuriere wahr. Vorbei die weinseligen Zwischenstopps in der Stadt unter dem Burgberg, wo man sich nicht nur stärken, sondern auch prachtvoll betrinken konnte. Ob es nun wichtige Depeschen waren, die den Hof zu spät erreichten, oder das transportierte Porzellan zu oft zerbrach – der König war nicht amüsiert und sann auf Abhilfe.
So erhielten die Meißner Gasthäuser den Befehl, ein höchst zerbrechliches Gebäck zu entwickeln, das sie jedem Reiter, der bei ihnen einkehrte, zu überreichen hatten. Ein betrunkener Bote konnte das gute Stück bei Hofe vermutlich nicht heil vorweisen, mit für ihn betrüblichen Folgen.
Nachweisbar ist der Fummel – ein recht geschmackloser Hohlkörper aus hauchdünnem Teig – seit 1747, manche verorten das Rezept schon viel früher oder sehen seinen Ursprung in der osmanischen Küche, war doch der Genuss à la turc im Sachsen des Rokoko sehr beliebt. Wie dem auch sei: Jedes Paar, das heute in Meißen heiratet, bekommt als Symbol für die Zerbrechlichkeit der Liebe einen Fummel überreicht.