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Von Goldriesling und Scheurebe
Spricht jemand von Meißner Wein, denken viele sofort an Schloss Proschwitz oder Vinzenz Richter und haben damit nicht Unrecht. Steht das eine für Sachsens ältestes noch existierendes Weingut, ist das andere nicht nur auch eins, sondern besitzt mit gleichnamigem Gasthaus ein Wahrzeichen der Stadt. 1523 als Zunfthaus der Tuchmacher gegenüber der Frauenkirche gebaut, ist es eins der wenigen Fachwerkhäuser Meißens, die die Jahrhunderte überlebt haben. Wer zum Domberg will, muss an ihm vorbei, zumindest wenn er die direkte Route vom Markt aus wählt.
Der Weinbau in Meißen ist dabei älter als die Stadt. Schon das Heer König Heinrichs I. soll im Gau Nisan Rebstöcke vorgefunden haben. Dass das der Legende widerspricht, Bischof Benno hätte die Reben mitgebracht, ist nicht weiter schlimm. Denn tatsächlich waren es Kirche und Klöster, die den Anbau vorantrieben, brauchten sie doch Wein für die Eucharistiefeier und als Desinfektionsmittel (!) in ihren Hospitälern. 1195 erwarb das Zisterzienserkloster Altzella das Dorf Zadel bei Meißen und machte es zum Elbtaldorf mit der ältesten nachgewiesenen Weinbautradition. Östlich des Dorfes beginnen übrigens die Proschwitzer Weinberge.
Die Gründung der Sächsischen Weinbaugesellschaft 1799 und der Winzerschule auf dem Meißner Fürstenberg – beide die ersten in Europa – zeigen, wie sehr man sich in Sachsen um die Reben sorgte. Unzählige internationale Prämierungen, die Meißner Weine heute einfahren, geben den Altvorderen Recht. Eine Besonderheit kommt hinzu: Der köstliche Goldriesling wächst fast nur noch hier.