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Filzschuhlauf durch sächsische Geschichte
Wer als Kind nicht wenigstens einmal in riesigen Museumspantoffeln über die Böden der Albrechtsburg geschlittert ist, hat einen großen Spaß verpasst. Für manche der kleinen Besucher ist der Parcours auf Latschen das Schönste in der Burg, Eltern und Lehrern aber bricht oft der Schweiß aus, wenn es daran geht, ihre flinke Herde wieder einzufangen. Besonders die Große Hofstube ist ein Pantoffelschlittschuhparadies, das allerdings für ganz Wilde auch unangenehme Überraschungen bereithält, Beulen vom Hinfallen inklusive. Dass sie nebenbei auch noch etwas lernen, fällt den Kindern oft erst viel später auf.
Die Idee, wertvolle Böden mittels Filzpantoffeln gleichzeitig zu schonen und zu polieren, kam einigen Museumsbetreibern schon vor 140 Jahren. Mittlerweile ist die Pantoffel-Ära vielerorts auf dem Rückzug, meint man doch, dass durch Steinchen in den Filzsohlen den Böden eher geschadet als genutzt wird. Meißen lässt sich davon nicht beeindrucken, hier gibt es sie weiterhin und das wunderschöne Parkett bedankt sich mit großem Glanz.
Museumspantoffeln versehen erstaunlicherweise zwischen zehn und zwanzig Jahren ihren Dienst, dann müssen sie ersetzt werden. Ob die Meißner zur Pflege der Überschuhe allerdings eine sogenannte Ausklopfmaschine haben, in deren Metalltrommel die schmutzigen Latschen umhergewirbelt werden, dass es nur so staubt, oder ob das Personal brav jeden einzelnen Schuh ausklopft, ist nicht bekannt. Auch nicht, ob sich das Museum bei der erzgebirgischen Pantoffelfirma Seidel in Sehmatal-Cranzahl eindeckt. Aber soweit sollte sächsischer Stolz auf sächsisches Handwerk eigentlich schon gehen.