11
A, B, C
Es führen mehrere Wege zur Meißner Burg, einer davon ein Stufenweg, der sogenannte Seelensteig. An ihm entlang läuft eine Futtermauer (eine Stützwand, mit der steile Hänge verkleidet werden), in die unterhalb der Schule St. Afra ein Monogrammstein eingelassen ist. Er zeigt die vier ersten Buchstaben des lateinischen Alphabets, in barocker Manier ineinander verschlungen. Wenn man sie lange genug betrachtet, kann man auch alle anderen Buchstaben (I = J) erkennen.
Um 1690 standen hier Gebäude, die dem kurfürstlichen Beamten Christoph Beyer und dessen Ehefrau Anna Elisabeth gehörten, vielleicht zeigt der Stein ihre Initialen. Möglich auch, dass sie zur Erinnerung an das Meißner Kanzleideutsch gemeißelt wurden, in das Martin Luther die Bibel übersetzte. Deshalb wird der Stein auch Lutherstein genannt. Unüblich waren solche Monogrammsteine im Barock nicht und dieser befand sich vermutlich als Schlussstein über einem Tor.
Der Name Seelensteig rührt von einem Haus der Meißner „Seelnonnen“ her, andernorts Beghinen genannt. In diesen Gemeinschaften führten alleinstehende Frauen ein asketisches Leben und verdienten ihren Unterhalt auch mit der Grabpflege und Gebeten für die Verstorbenen. So führte ein Pfad vom Haus, das es nicht mehr gibt, hinunter zum alten Stadtfriedhof. Heute sind das die Superindenturstufen.