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Das Kachelwunder von Meißen
Beim Spaziergang durch die Domstadt, vor allem, wenn er altbekannte Pfade verlässt, fallen dem aufmerksamen Besucher interessante architektonische Details ins Auge: ein Marabu an einer Fabrikmauer, ein imposanter Jugendstileingang, witzige Bullaugenfenster an einer Großgarage, aber auch ganze Häuser: alles sehr bunt, glänzend und aus keramischen Fliesen gefertigt.
Verantwortlich für diese als Freiluft-Musterkarten bezeichneten Verzierungen ist die im rechtselbischen Stadtteil Cölln gelegene Firma Bidtelia. Vom Apothekenbesitzer Johann Georg Julius Bidtel 1861 gegründet, spezialisierte sie sich unter seinem Schwiegersohn Felix Ohm auf die Herstellung keramischer Fliesen und Glasuren. Erste Partner waren die Kachelofenfabriken der Gebrüder Teichert, aber schon bald verbreiteten sich mit Aufkommen des Jugendstils Bidtelias fröhliche Pastelltöne und sanft schimmernde Kachelfronten buchstäblich über die Welt.
Ohms größter Coup wurden die Entwicklung der sogenannten persischen Farbpalette und die Umsetzung der wiederentdeckten altorientalischen Baukeramik mit neuen technischen Mitteln. So kam es, dass bei der Rekonstruktion des berühmten Ischtar-Tores im Pergamonmuseum Berlin die Ziegel mit Materialien der Bidtelia hergestellt wurden.
Auch heute kann man die traditionellen Wandfliesen erwerben. Eine neue Musterkarte ist in den Räumen des restaurierten Hotels Ross gleich am Bahnhof zu besehen.