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Mit der Röhrfahrt in Brunnen und Braukessel
Eine mittelalterliche Stadt brauchte zur Versorgung ihrer Einwohner möglichst viele Wasserstellen. So auch Meißen, dessen Bürger spätestens seit dem Ausgang des 15. Jahrhunderts ihr Wasser aus öffentlichen Wasserkästen – meist einfach gemauerte Tröge – holen konnten. Mittels aufgebohrter Holzstämme, die durch Metallbuchsen verbunden waren, wurde das Wasser aus Quellbrunnen und Bächen in einem ausgeklügelten System durch das Stadtgebiet geführt. Dabei nutzte man geschickt natürliche Gefälle, baute Rückstaubecken und verwendete Siebe, um das Wasser bei der Einspeisung von Verschmutzungen reinzuhalten. Solche Rohrleitungen trugen in Sachsen den sprechenden Namen Röhrfahrt.
Aber nicht nur für solch profane Zwecke waren die Röhrfahrten wichtig. Wasser brauchte man auch zur Herstellung von Bier, diesem seit Urzeiten geschätzten Lebensmittel, das früher von jeder Hausfrau hergestellt wurde. Später lag auf bestimmten Grundstücken das Recht, drei, vier oder mehr Sorten Biere zu brauen, und so hatten manche Häuser wie das Bahrmannsche Brauhaus An der Frauenkirche 3 sogar einen eigenen Röhrfahrtanschluss.
Von ehemals neun Meißner Röhrfahrten sind die Schloss- und die Klosterröhrfahrt heute noch intakt. Und auch wenn es nicht trinkbar ist, fließt das Wasser wie einstmals in städtische Brunnen vor der Frauenkirche, auf dem Theaterplatz oder vor dem Café Zieger.