04

4

Saatkörner auf dem Acker Gottes

In ganz Herrnhut findet man gestutzte Bäume, die ortsfremde Besucher gern für Weiden halten.
Tatsächlich aber handelt es sich um Linden. Die Linde, der tschechische Nationalbaum, gilt als ein Symbol für Gerechtigkeit, Liebe, Frieden, Heimat und ist Platz der Gemeinschaft. So erinnert der Baum die böhmischen Glaubensflüchtlinge an die verlassene Heimat.
Besonders beeindruckend ist die 1742 gepflanzte, beschnittene Lindenallee, auf der man zum Gottesacker gelangt, dem Herrnhuter Friedhof. Neben Gras und Efeu ist dort nur die Linde als Pflanze zugelassen. „Christus ist auferstanden von den Toten. Er ist der Erstling worden unter denen die da schlafen“, steht über dem Eingang geschrieben. Für die Herrnhuter ist der Tod kein Angst einflößendes Ereignis. Das Sterben ist ein Heimgehen mit Freude auf Gott. Brüder und Schwestern sind in getrennte Grabfelder gebettet, die Särge sind weiß. Die einheitlichen Grabplatten liegen zu ebener Erde. Im Tode und vor Gott sind alle Menschen gleich.