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Anna Maria in Bethlehem

Das Evangelium als frohe Botschaft für die Armen und Unterdrückten verkündet das “Erstlingsbild”, auf dem sich die bereits verstorbenen ersten getauften Gemeindeglieder aus den verschiedenen Nationen um den auferstandenen Christus versammeln. Unter ihnen Anna Maria, die als Tochter einer versklavten Plantagenarbeiterin in Westindien geboren und am 29.12.1737 in St. Thomas/Vergin Islands getauft wurde. Sie hält ihren Neffen Michael auf dem Schoß, der mit nur einem Jahre starb. Der Palmzweig in ihren Händen verweist auf die Offenbarung des Johannes. Das Original des wohl bedeutendsten Malers der Brüder-Unität J.V. Haidt von 1747 wurde anläßlich einer Synode in Herrnhaag angefertigt und hängt heute im kleinen Kirchsaal in Zeist, eine weitere von 9 Fassungen in der Unitätsausstellung im Herrnhuter Kirchensaal. Da Haidt selbst 1754 nach Amerika ging, hängt auch ein “Erstlingsbild” in Bethlehem in Pennsylvania.

FroheWeihnachten!

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Mit Papier und Schere

Es war die Christnacht des Jahres 1748, als Diener erstmals brennende Kerzen brachten, um jedem Gast ein Licht in die Hand zu geben – das Symbol für die Ankunft Christi. Ein Gemälde, das dieses Ereignis bildhaft festhält, ist im Unitätsarchiv in Herrnhut zu finden.
Auch die Herrnhuter Gemeine in Berlin-Rixdorf pflegt diese Tradition des Christnachtslichtes und putzt gemeinsam die Lichtel für die Christnacht. Kleine weiße Kerzen werden mit Buntpapierbandarolen versehen. Ursprünglich war diese Manschette rot, Symbol für das Blut Christi. Heute sind die Bandarolen in Herrnhut und Rixdorf grün, üblich ist auch rot, gold und weiß. Zur Kleinen Christnacht mit dem Liebesmahl für die Kinder tragen zwei Schwestern ein Tablett mit brennenden Kerzen in den Saal und verteilen sie an die Kinder. Ein Kunststück ist es, die Kerze nach dem Gottesdienst brennend nach Hause zu tragen, was wohl bis heute noch keinem Kind gelang.

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Liebe, die durch den Magen geht – Herrnhuter Herzen

Die Herzen schmecken nicht nur, wieder einmal symbolhaft sind sie halb weiß bepinselt für die Reinheit, halb rot für das Blut Christi.

Mürbeteig:
250 g Butter
Salz
1 Eigelb
120 g Zucker
100 g geschälte, gemahlene Mandeln
280 g Mehl
Mehl zum Bearbeiten
Füllung und Verzierung:
220 g Himbeerkonfitüre
100 g Puderzucker Saft von 1 Zitrone
50 halbierte oder ganze Mandeln
Außerdem
Klarsichtfolie, Herz-Ausstecher, Backpapier

1. Butter, 1 Prise Salz, Eigelb und Zucker verkneten. Mandeln und Mehl zugeben, schnell verkneten. Den Teig zu einem flachen Ziegel formen, in Klarsichtfolie wickeln und ca. 1 Stunde kalt stellen.
2. Kurz durchkneten und auf einer bemehlten Arbeitsfläche 3 mm dick ausrollen, Herzen ausstechen.
3. Herzen im vorgeheizten Backofen bei 190 Grad (Gas 2–3, Umluft 180 Grad) in 8–10 Minuten zartbraun backen.
4. Für die Füllung die Himbeerkonfitüre durch ein Sieb streichen, 2 Tl für die Verzierung zur Seite stellen. Rückseite der Hälfte der Herzen mit Himbeerkonfitüre bestreichen, jeweils ein unbestrichenes Herz mit der Rückseite daraufsetzen und leicht andrücken.
5. Für die Verzierung den Puderzucker mit 3–4 El Zitronensaft glatt rühren. Jeweils eine Herzhälfte damit bepinseln. Den restlichen Zuckerguss mit der zur Seite gestellten Himbeerkonfitüre rosa einfärben und jeweils die andere Herzhälfte damit bepinseln, mit einer Mandel verzieren.

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Das Herrnhut von Neukölln

Im Böhmischen Dorf im Berliner Bezirk Neukölln leben noch heute Nachfahren der Exulanten, die wegen ihres evangelischen Glaubens aus Böhmen vertrieben wurden. Auf einem Sockel in Neukölln steht deshalb Friedrich Wilhelm I. Der preußische König gewährte im Jahre 1737 über 350 Menschen aus Böhmen Asyl in Rixdorf.
Lange Zeit trugen einige Gassen noch tschechische Namen, auch die Mala ulicka wurde erst 1909 in Kirchgasse umbenannt. In Preußen siedelten sich die Böhmen zu dieser Zeit auch in der südlichen Friedrichstadt in Berlin und in Nowawes bei Potsdam an. Im Gegensatz zu diesen Gemeinden bekannten sich die Flüchtlinge in Rixdorf aber zur Herrnhuter Brüdergemeine, so gibt es wie in Herrnhut in Rixdorf einen Betsaal und an der Kirchhofstraße einen Böhmischen Gottesacker mit flach liegenden Grabtafeln. Am Giebel des alten Schulgebäudes des sehenswerten Museums im Böhmischen Dorf in der Kirchgasse 9 findet man den hussitischen Kelch. Ihren Glauben praktiziert die Brüdergemeine in Rixdorf bis heute.

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Wir pflegen nicht zu handeln

Am 21. März 1827 bestellt Dürninger & Co. erstmals „10.000 Stück Cigarros … so vorteilhaft als möglich.“ bei der Firma Gildermeister & Gluer in Havanna. Import-Zigarren waren bis dahin in Deutschland unbekannt. Da die Firma Dürninger seit 1907 den sächsischen König belieferte, erfolgte 1913 die Zuerkennung des Titels „Hoflieferant“ für die Zigarrenabteilung.
Im Jahre 1747 hatte Zinzendorf den Straßburger Kaufmann Abraham Dürninger nach Herrnhut geholt, der den stark verschuldeten Gemeinladen übernahm und zu einem der größten Handelshäuser Europas ausbaute. Mit seinem Textilunternehmen wurde er auch zum größten Leinwandexporteur der Oberlausitz und zu einem der erfogreichsten Wirtschaftsführer Sachsens im 18. Jahrhundert.
Der wegen seiner Tüchtigkeit, Rechtschaffenheit und Bescheidenheit hoch geachtete Kaufmann verkaufte als erster in Deutschland zu festen Preisen, man könnte ihn seines Arbeitsethos wegen den Erfinder des fair trade nennen.

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Lebenslanges Lernen

Trotz zahlreicher harter Schicksalsschläge verlor Johann Amos Comenius (1592–1670) niemals seinen Glauben an die Güte des Menschen. Der tschechische Theologe, Philosoph, Pädagoge und letzter Bischof der Brüder-Unität war überzeugt von der menschlichen Bildungsfähigkeit und der grenzenlosen Fassungskraft des Geistes. Seine Methode war ganzheitlich und frei von Zwang. „Die Lust zu ergründen“ wollte er fördern, das Lernen sollte „wie ein Spiel und kurzweilig vor sich gehen“. “... wann die Sinnbare Sachen den Sinnen recht vorgestellet werden/ damit man sie mit dem Verstand ergreiffen könne…”, so schreibt er in dem Buch Orbis sensualium pictus – Die sichtbare Welt. Der Holzschnitt einer Heuschrecke ist Teil einer Anlauttabelle, die Comenius als didaktisches Mittel (ein lebendiges und stimmbares Alfabeth) entwickelte.

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Im ewigen Eis

Insgesamt zwölf Missionsschiffe der Brüdergemeine gab es zwischen 1770 und 1926. Vor allem dienten diese Schiffe der Versorgung der Missionsstationen der Brüdergemeine in Labrador, zu denen ansonsten keine Seeverbindung bestand. Fünf dieser zwölf Segelschiffe trugen den Namen »Harmony«.
27jährig wurde Johann August Miertsching (1817–1875) in den Missionsdienst berufen und reiste über London mit dem Segelschiff „Harmony“ nach dem Norden Labradors, in die Missions-Siedlung Okak. Miertsching lernte Inuktit, die Sprache der Inuits, unterrrichtete die Kinder und predigte später auch in der Sprache der Einheimischen. Kaum wieder zu Hause erhielt der den Auftrag der britischen Admiralität, als Dolmetscher eine Schiffsexpedition in die Arktis begleiten, um die seit drei Jahren auf der Suche nach der Nordwest-Passage verschollene Franklin-Expedition zu finden. Die Einzelheiten über dieser Expedition auf dem Segelschiff HMS Investigator – die Beschwernisse durch Stürme, Eis und Kälte, die Entbehrungen, Hunger und Not, die unglaublichen Leistungen der Expeditionsteilnehmer, die sich, als ihr Schiff mehrere Winter im Eis eingefroren blieb, nach Gewaltmärschen durch die arktischen Einöden schließlich retten konnten, kann man im Reisetagebuch Miertschings nachlesen.
Miertsching, Johann August, Reisetagebuch des Missionars, welcher als Dolmetscher die Nordpolexpedition zur Aufsuchung Sir John Franklins auf dem Schiff Investigator begleitete in den Jahren 1850 bis 1854, Gnadau 1855

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Liebesmahl

Das Tee trinken hat Zinzendorf aus England mit nach Herrnhut gebracht. Es nahm Einzug in eine Feierlichkeit der Herrnhuter Glaubensgemeinschaft. Die Brüder und Schwestern treffen sich in unregelmäßigen Abständen zum sogenannten Liebesmahl. Eine feste Liturgie gibt es dabei nicht. Das Singen von Liedern wird unterbrochen von Berichten, Grußworten und kurzen Ansprachen oder – nach Beerdigungen – durch das Angedenken an den Verstorbenen. Saaldiener reichen Tee, dazu gibt es Rosinenbrötchen, Zinzendorf betonte aber, dass es dabei keineswegs um die irdische Sättigung gehe.

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Alea iacta est

Eine große, silberne, ovale Schale wird auf den Tisch gestellt. Es ist April oder Mai in Herrnhut und vier Personen sind im barocken Sitzungszimmer des Vogtshofes versammelt, um aus den über 1000 Kärtchen die Bibelsprüche für jeden Tag eines Jahres zu ziehen.
Graf Zinzendorf gab der Brüdergemeine in der gewohnten „Singstunde“ am 3. Mai 1728 die erste Losung mit auf den Weg: „Liebe hat ihn hergetrieben, Liebe riß ihn von dem Thron, und wir sollten ihn nicht lieben?“. Wohl von diesem Zeitpunkt an ging ein Bruder jeden morgen in jedes der 32 Häuser des Ortes und trug die Losung des Tages vor, einen Bibelspruch aus dem Alten Testament. Tatsächlich werden diese Sprüche seitdem aus der überlieferten Spruchsammlung mit 1829 Spruchkärtchen gelost, seit dem Druck des ersten Losungsbüchleins 1731 für ein gesamtes Jahr im Voraus.
Das Los galt als Mittel, den Willen des Heilands zu erfahren, und auch in Heiratsangelegenheiten fanden die Herrnhuter den Heiland solchermaßen für zuständig. Ein Los im Jahre 1859 entschied so über die Ehe von Maria Heyde mit dem ihr gänzlich unbekannten in Tibet lebenden Missionar August Wilhelm Heyde. Eine Sonderausstellung in den Schwesternhäusern in Kleinwelka erzählt über das abenteuerliche Leben dieser Herrnhuterin, die 22-jährig allein zu ihrem künftigen Ehemann nach Tibet aufbrach.

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Sozialistisches Zwischenspiel

1950 wurde die Stern GmbH verstaatlicht und firmierte ab 1951 als VEB Oberlausitzer Stern- und Lampenschirmfabrik. Zur Produktion gehörten nun auch Vogelkäfige aus Draht, die natürlich nicht so nostalgisch wie hier sondern eher im Geist der 60er, 70er Jahre einherkamen. Sie wurden Wohnstatt unzähliger DDR-Wellensittiche.
Als die Handfertigung – noch dazu von Sternen – nicht mehr in das Bild sozialistischer Industrieproduktion passte, beschloss man diese abzugeben. Es kam zu einem zu jener Zeit außergewöhnlichen Vorgang: Rückübertragung an die Brüder-Unität. Die geschäftliche Lage blieb jedoch prekär, da auch der neue Betrieb staatlichen Planungen unterworfen war.

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Sternenhimmel

Anfang des 19. Jahrhunderts leuchtete der erste Stern aus Papier und Pappe in den Internatsstuben der Herrnhuter Brüdergemeine. Dort lebten vor allem Missionarskinder. Da in den Missionsgebieten die Lebensverhältnisse oft widrig waren, schickten die Eltern ihre Kinder, wenn sie das Schulalter erreicht hatten, in die Heimat zurück. Im Internat bastelten sie im Advent Sterne aus Papier. Pieter Hendrik Verbeek war es dann, der am Ende des 19. Jahrhunderts den ersten stabilen, zusammensetzbaren Stern erfand. In Einzelteilen konnte der Stern nun versendet und zunächst über die Herrnhuter Missionsbuchhandlung vertrieben werden. In den Jahren 1894/1895 ließ er das heutige Stammhaus der Herrnhuter Sterne GmbH an der Löbauer Straße in Herrnhut erbauen, in dem seit 1897 die ersten Herrnhuter Sterne verkauft wurden. In den folgenden Jahren entwickelte Verbeek die Bauweise weiter, gründete die „Sterngesellschaft mbH“ und meldete 1925 den ersten körperlosen Stern zum Patent an. Über der Eingangstür am Stammhaus der Herrnhuter Sterne an der Löbauer Straße befindet sich das Familienwappen dieses Geschäftsmannes, Buch- und Musikalienhändlers.

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Reiseerleichterung

Aus fast jedem Westernfilm ist dieses Transportmittel bekannt. In ihm fuhren neben Kolonisten auch Missionare. Ebenfalls die Herrnhuter Missionare Heckewelder und Zeisberger dürften mit diesen Planwagen im Wilden Westen gereist sein. Das Ochsengespann hier ist ein kleines hölzernes Modell im Völkerkundemuseum in Herrnhut. Aus dem Typ des sogenannten Conestoga-Wagens, benannt nach dem pennsylvanischen Tal, in dem er zuerst gebaut wurde, entwickelte sich der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sogenannte „Prärieschoner“, der von Ochsen oder Pferden gezogene Planwagen, mit dem die Aufschließung und Besiedlung des mittleren und fernen Westens vor Beginn des Eisenbahnzeitalters erfolgte.

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Agnus Dei

Es ist das älteste Symbol aus der Gründungszeit der Brüderkirche, das in Tschechien gefunden wurde – das Osterlamm mit der Siegesfahne, Symbol für die Auferstehung Jesu Christi. Umgeben vom Schriftzug „VICIT AGNUS NOSTER – EUM SEQUAMUR“ – „UNSER LAMM HAT GESIEGT – LASST UNS IHM FOLGEN“ benutzt es die Herrnhuter Brüdergemeine bis heute als ihr Logo.
Vermutlich auf dem Umweg über die heilige Agnes erscheint das Lamm aber auch an den Läden der Metzger und Fleischer, allerdings ohne umlaufende Schrift. Die heilige Agnes, eine legendäre christliche Römerin, trägt es bereits in ihrem Namen. Sie erlitt um das Jahr 250 n.Chr. mit einem Schwertstich durch die Kehle den Märtyertod. So wie auch Lämmer geschlachtet wurden. Schweizer Metzger erkoren Agnes im Mittelalter erstmals zur Schutzheiligen ihrer Zunft – zusammen mit ihrem Symbol, dem Lamm, dem Agnus Dei. Im Zuge der Reformation verschwand die Heilige vom Zeichen der Zunft. Das Lamm jedoch blieb.

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Brot und Wein

Nicht nur die Geistlichen, alle Gläubigen sollten am Abendmahl auch mit Wein teilhaben. Dies war eine wichtige Forderung aller reformatorischen Bewegungen im 16. Jahrhundert. Für den inneren Kern ihres Glaubens, den sich die Böhmen bewahrt hatten und nun in ihrer neuen Heimat frei entfalten konnten, steht deshalb der hussitische Kelch. Da sich auch die meisten der nach Berlin-Rixdorf ausgewanderten Böhmen den Herrnhutern anschlossen, ist der Kelch heute auch im Wappen Berlin-Neuköllns zu finden.
Bei einem Abendmahl nach Herrnhuter Form bleiben die Gottesdienstbesucherinnen und –besucher auf ihren Plätzen. Nachdem sich die Banknachbarn die Hände reichen, werden Brot und Kelch durch die Reihen gegeben.

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Tee im Grünen

Herrschaftsgarten, Herrnhuter Gottesacker und der Garten des Heimatmuseums – unter dem Begriff Herrnhuter Gärten vereinen sich diese drei Anlagen. Der Herrschaftsgarten im barocken Stil erinnert an den Gründer Zinzendorf. In seinem Auftrag begann 1728 der mährische Gärtner Töltschig, den Garten anzulegen. Später wurde die barocke Anlage vergrößert und verschönert, wobei jeden Tag ein Bruder mitarbeitete. Zur Einweihung des Gartens lud Zinzendorf über 100 Gäste ein. Wer durch den Garten des ebenfalls barocken Heimatmuseums geht, findet dort einen kleinen, noch originalen Gartenpavillion, dessen Dach ein wenig an das Schloß Pillnitz in Dresden denken läßt. Denn wie das Lustschloß Augusts des Starken mutet das Häuschen, ganz der damaligen Vorliebe für Exotisches geschuldet, asiatisch an. In Herrnhuter Gärten finden sich ca. 30 historische Gartenhäuser.

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Leitungswasser

Am 17. Juni 1722 fällte der Zimmermann Christian David den ersten Baum zum Anbau von Herrnhut. Der Verwalter des Grafen hatte den Einwanderern ein bewaldetes Stück Land an der Landstraße Löbau-Zittau zugewiesen. Angesichts des Wassermangels und der Abgeschiedenheit der Gegend soll eine Frau ausgerufen haben: „Wo nehmen wir Brot her an diesem wüsten Ort?“ Dass die Einwanderer vornehmlich Handwerker waren, dürfte den praktischen Herausforderungen der Neubesiedlung genützt haben. Der erste Brunnen wurde im selben Jahr, 1722, gegraben, bereits 1745 floß das erste Leitungswasser in Holzröhren aus dem Berthelsdorfer Revierteil nach Herrnhut, wegen des schwachen Gefälles eine vermessungstechnische Meisterleistung. Die teils undichten Holzröhren wurden später durch Eisenröhren ersetzt. Fünf Brunnen dieser Zeit gibt es bis heute. Diese jetzt abgedeckte Wasserpumpe steht unweit des Vogtshofes.

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Leuchtende Mathematik

Rhombenkuboktaeder – so heißt aus mathematischer Sicht der Grundkörper des Herrnhuter Sterns. Auf ihm haben 17 pyramidenförmige viereckige und 8 tetraederförmige dreieckige Zacken ihren Platz, die fehlende 26. Zacke dient der Befestigung der Beleuchtung. In einem Geometriebuch um 1900 findet man die für den Stern hilfreichen Konstruktionsanweisungen.
Eine robustere Variante des Sterns baute Klempnermeister Krautwurst aus Metall. Die Zacken aus Papier, die von Schwestern im Brüderhaus zusammengeklebt wurden, wurden auf das Metallgestell geschoben. So entstand die erste Form des Sterns, die man in Einzelteilen transportieren und kostengünstig verschicken konnte.

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Die Welt in Herrnhut

Von ihren Reisen brachten die Missionare viele ethnologische Objekte mit zurück in die Heimat. So wurde mit Beginn der Missionstätigkeit der Evangelischen Brüder-Unität 1732 der Grundstock der Sammlung gelegt. Der Herrnhuter Apotheker Bernhard Kinne (1812-1895) ergriff die Initiative, um diese Gegenstände in einem Museum zu vereinen und sie so vielen Interessenten zugänglich zu machen. Er wollte damit “den Nachkommen einen Schatz bewahren… und vielen Genuß und Belehrung gewähren.”
Das Museum zeigt in seiner Dauerausstellung “Ethnographie und Herrnhuter Mission” historische Kulturen solcher Völker, bei denen Brüder-Missionare wirkten. Gleichzeitig werden die Leistungen dieser Missionare gewürdigt, die durch ihre Beobachtungen, Aufzeichnungen und ihre völkerkundlichen Sammlungen einen beachtlichen Beitrag zur Bewahrung und Verbreitung von Wissen über diese Menschengruppen und deren Kultur geleistet haben.

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Lagerfeuerromantik

Der Erzählung nach habe sich Heinrich Rauch, der anno 1740 als erster mit den Indianern der Delaware in Kontakt kam, erschöpft von der Reise ins Zelt des Häuptlings Tschoop gelegt und geschlafen. Worauf der Häuptling bass erstaunt war von soviel Vertrauen. Der Missionar habe ihm dann erzählt „von Christus, der unser Bruder geworden ist“.
Aufzeichnungen von Herrnhuter Missionaren in den Indianergebieten verwendete der Romanschriftsteller James Fenimore Cooper für seinen „Lederstrumpf“. Coopers wesentliche Quellen waren die Missionsgeschichte der Nordamerikanischen Indianer des Herrnhuter Missionars Georg Heinrich Loskiel und die Schriften von John Heckewelder. Auch Karl May wird Herrnhuter Missionarsberichte aus der Neuen Welt gekannt haben.
Graf Zinzendorf selbst wirkte von 1741 bis 1743 als Missionar unter Indianern. Auf einer Briefmarke aus dem Jahre 2000 ist das Zusammentreffen des Grafen Zinzendorf und Konrad Weisers mit den Irokesenhäuptlingen 1742 verewigt. Die Irokesen jedoch haben sich nicht missionieren lassen.

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Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Joh. XV, 5

Ein besonderes Anliegen der Herrnhuter war es, den Glauben in die Welt zu tragen. Der Stammbaum in Form eines Rebstocks trägt deshalb neben vielen deutschen und europäischen Orten eine Vielzahl exotischer Ortsnamen der ganzen Welt: Calcutta 1782, Algiers 1739, Amerika 1734. Zu finden ist der Rebstock auf einem Kupferstich im Heimatmuseum im Böhmischen Dorf in Berlin-Rixdorf. Die Namen entsprechen den Missionsstationen mit ihren Entstehungsjahren.
Ein Töpfer aus Franken und ein mährischer Zimmermann waren die ersten Missionare, die am 21. August 1732 von Herrnhut ausgesendet wurden. Die Missionare, die seitdem von Herrnhut aus in die Welt gingen, begegeneten den Einheimischen ihrem Gleichheitsgebot entsprechend auf Augenhöhe. Sie interessierten sich für die Sitten und Gebräuche und erlernten deren Sprache. Bis heute sind die Herrnhuter in den damals missionierten Gebieten hoch angesehen.

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Saatkörner auf dem Acker Gottes

In ganz Herrnhut findet man gestutzte Bäume, die ortsfremde Besucher gern für Weiden halten. Tatsächlich aber handelt es sich um Linden. Die Linde, der tschechische Nationalbaum, gilt als ein Symbol für Gerechtigkeit, Liebe, Frieden, Heimat und als Platz der Gemeinschaft. So erinnert der Baum die böhmischen Glaubensflüchtlinge an das Verlassene.
Besonders beeindruckend ist die 1742 gepflanzte, beschnittene Lindenallee, auf der man zum Gottesacker, dem Herrnhuter Friedhof gelangt. Neben Gras und Efeu ist dort nur die Linde als Pflanze zugelassen.
»Christus ist auferstanden von den Toten. Er ist der Erstling worden unter denen die da schlafen«, steht über dem Eingang geschrieben. Für die Herrnhuter ist der Tod kein Angst einflößendes Ereignis, das Sterben ist ein Heimgehen mit Freude auf Gott. Brüder und Schwestern sind in getrennte Grabfelder gebettet, die Särge sind weiß. Die einheitlichen Grabplatten liegen zu ebener Erde, im Tode und vor Gott sind alle Menschen gleich.

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Farbenspiel

Mithilfe der Einführung der Herrnhuter Tracht hatte Zinzendorf die Gleichheit unter seinen Schützlingen sichtbar hergestellt. Er hatte sich wohl auch über die Eitelkeiten seiner Mitbewohner geärgert.
Das Aussehen der Tracht orientiert sich aber nicht an der der verlassenen böhmischen Heimat sondern an den Trachten der Oberlausitz. Neben dem Schultertuch gehört zu ihr das Häubchen. Es wird traditionell nicht genäht sondern mit Hilfe winziger Nadeln und mit ebensoviel Geduld gesteckt.
Wie auch in anderen Trachten ist der Stand der Frauen an bestimmten Attributen erkennbar. In der Herrnhuter Tracht ist es das Chorband, ein farbiges Bändchen an der Haube, dass diesen Zweck erfüllt. Rot ist das Band für junge Mädchen, rosarot das Band heiratsfähiger Frauen, blau das der Verheirateten und weiß das der Witwen. Ein feiner Effekt – heiratsfähige Mädchen sind so auf einfache Weise auszumachen. In Herrnhut aber haben sich die Schwestern mittlerweile auf ein einheitliches grünes Band verständigt – unabhängig vom Familienstand. Grund war unter anderem die Situation von geschiedenen Schwestern, welche sich in den bisherigen Farbzuordnungen nicht wiederfanden. In einigen Brüdergemein-Orten gelten die verschieden farbigen Bänder jedoch nach wie vor.

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Tschechische Blasmusik

Nicht Orgelklänge, die Blasmusik war es, die die Böhmen und Mähren aus ihrer Heimat mitbrachten. Deshalb erfahren die Bläser in der Brüdergemeine eine ganz besondere Beachtung. Der Herrnhuter Chor darf als der älteste kirchliche Bläserchor in Deutschland gelten. An besonderen kirchlichen Festtagen bläst er frühmorgens zum Wecken, darüber hinaus zum Abendmahl. Auch der Gang der Gemeinde zum Gottesacker bei Sonnenaufgang am Ostermorgen wird von den Bläsern begleitet. Nicht nur eine Empore für Orgel und Sänger war im großen Betsaal in Herrnhut angebracht, eine zweite Empore gehörte den Bläsern. Seit 1945 muß der Saal jedoch ohne die zweite Empore zurechtkommen, denn das Gebäude brannte 1945 komplett aus. Bei der Instandsetzung beschränkte man sich auf den Orgelbalkon.

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Von Alpha bis Omega

Unter den vier Forderungen der Böhmischen Reformation befand sich die Forderung, die Bibel den Gläubigen direkt lesbar zu machen. In einer geheimen Druckerei im südmährischen Kralitz wurde deshalb im Jahre 1613 ein Buch gedruckt, aus dem dieses Initial A den Anfang eines Kapitels bildet. Nach ihrem Entstehungsort genannt wurde die Kralitzer Bibel die maßgebliche Übersetzung des Heiligen Buches aus dem Hebräischen und Griechischen in die tschechische Volkssprache. Als die Gegenreformation die Brüder zum Verlassen der Heimat zwang, nahmen wohl alle Geistlichen der Brüder-Unität die Bibel mit ins Exil, es war das erste Buch, dass sie einpackten. Daher befinden sich viele Exemplare jetzt in Bibliotheken in Deutschland, Polen, Ungarn und weiteren Ländern. Nach der Kralitzer Bibel wurde während der so genannten Rekatholisierung von jesuitischen Missionaren sehr intensiv gefahndet. Viele Bände wurden vernichtet. Trotzdem blieben bis in unsere Zeit mehrere hundert Exemplare in Tschechien und in Mitteleuropa erhalten.